Die linke Szene in Hannover schaut nicht über den Tellerrand – oder nicht in unser Kinoprogramm

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Glückwunsch den erfolgreichen BesetzerInnen des cinéma LA CLEF in Paris !

Nach einem Jahr der Besetzung mit täglichen Kinovorstellungen hat das "Cinéma La Clef Revival" im Pariser Quartier Latin eine vermeintliche Geldschuld von ca. 60.000 Euro angehäuft. Um diesen Betrag stritt jedenfalls der Eigentümer des Gebäudes, eine Pariser Sparkasse. Überraschend gab letzte Woche das Gericht den BesetzerInnen recht. Sie müssen nicht nur keinen Cent zahlen, die Besetzung wird überdies als rechtens betrachtet und darf noch weitere sechs Monate fortgesetzt werden.

Der Verein "Home Cinema", in dem sich die BesetzerInnen organisiert haben, will das Gebäude nun kaufen und damit das einzige kollektiv betriebene Kino in Paris aufrechterhalten. Darüber hinaus soll im Gebäude eine Filmwerkstatt eingerichtet werden. Über Crowdfunding müssen hierfür 1 Million Euro (!) zusammengebracht werden.

Die Unterstützung durch die französische Filmszene, bis hin zu Verleihern und offiziellen Stellen, war und ist gewaltig – und sicher entscheidend für den Prozessgewinn. Und das Filmprogramm dieses ersten Besetzungsjahres, mit fast allabendlicher Anwesenheit von RegisseurInnen, war phänomenal.

Das Kino im Sprengel hat Anfang Oktober das "Cinéma la Clef Revival" eingeladen (siehe post weiter unten: "Ein norddeutscher Programmhinweis"). Es ging um Solidaritätsbekundung und Unterstützung, auch um Spenden. Zu diesem Zeitpunkt war das Gerichtsurteil noch nicht gesprochen. Letztlich war, der Corona-Umstände wegen, aus dem Besuch zweier Pariser Besetzerinnen ein Video-Leinwandgespräch geworden - mit anschließendem, von ihnen zusammengestelltem Kurzfilmprogramm.

So oder so, das Interesse an der Veranstaltung war gering, und ebenso war es bei dem am selben Wochenende gezeigten hochinteressanten Film „Occupied Cinema - Kinobesetzung“ über eine Kinobesetzung in Belgrad. Und das in einem ehemals besetzten Haus!

Das Kino im Sprengel wird sich jedenfalls am Crowdfunding beteiligen. An besagtem Wochenende eingegangene Spenden fließen hier ein.

Kinofreunde spendet!

Hier zum crowdfunding CINEMA LA CLEF REVIVAL

In Köln: Kunst gegen Filmkunst

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Offener Brief zur Unterstützung des Filmclubs 813

Dem Filmclub 813 in Köln, der im ehemaligen Kinosaal des Britisch Council an der Kölner Hahnenstraße seit fast 30 Jahren ein einmaliges, filmhistorisch orientiertes Programm bietet, ist vom Hauptmieter des Gebäudes, dem Kölnischen Kunstverein, fristlos gekündigt worden.

Das Kino im Sprengel gehört zu den Erstunterzeichnern eines Offenen Briefes mit der Forderung der Rücknahme der Kündigung. Mit dem Filmclub 813 sind wir seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden und agieren seit zehn Jahren auch zusammen im Kino-Netzwerk Kino Climates (siehe auch vorhergehenden post).

Hier lesen: Offener Brief an den Kölnischen Kunstverein

Hier lesen: Schreiben des Bundesverbandes Kommunale Filmarbeit e.V.

Zum Thema Kündigung des Filmclub 813 und allgemein zur stiefmütterlichen Behandlung des Films im Vergleich zu den anderen Künsten schreibt auch Lars Hendrik Gass, Leiter der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen: "Die Kinokultur der Zukunft"

Ein norddeutscher Programmhinweis

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Das Cinéma La Clef in Paris, seit September 2019 von etwa 100 Filmfreunden besetzt, war am letzten Wochenende eingeladen, in Bielefeld, Hannover und Hamburg über seine aktuelle Situation zu berichten.

Gerhard Midding (epd Film) ist auf diese kleine Tournee aufmerksam geworden und hat dem Pariser Kino sowie den drei ihm bis dahin unbekannten norddeutschen Off-Kinos – Offkino Bielefeld, Kino im Sprengel Hannover, B-Movie Hamburg – einen Beitrag gewidmet:

Ein norddeutscher Programmhinweis Gerhard Midding, 08.10.2020

Der letzte Film, den ich im "La Clef" im Pariser Quartier Latin sah, war »DIE WELT, DAS FLEISCH UND DER TEUFEL«. Es liegt einige Jahre zurück. Das Science-Fiction-Drama war gerade frisch als Reprise herausgekommen. In ihm treffen Harry Belafonte, Inger Stevens und Mel Ferrer in einem postapokalyptischen, mithin menschenleeren New York aufeinander. Es macht, in dem Rahmen, der einer MGM-Produktion 1959 offenstand, seinem Titel alle Ehre.

Wie die meisten Belafonte-Filme entwirft er eine Utopie und erzählt zugleich davon, wie Rassismus fortdauert. Für Inger Stevens hatte ich immer schon eine Schwäche, ebenso wie für die Konflikte, die in solchen Die-letzten-Menschen-auf-der Erde-Geschichten unausweichlich sind. Für anderthalb Stunden tauchte ich in eine fremde Welt ein. Das "Clef" war ein guter Ort dafür. Die unaufgeräumte Nüchternheit der Lobby signalisierte, das seine Betreiber es ernst meinten mit ihrem Programm. Ich schätzte es ohnehin als eine Passage in das Entlegene. Sein Name passte dazu: Der Schlüssel. Er öffnet die Tür zu fernen Fiktionen und Realitäten.

Seit letztem Jahr ist das Kino besetzt. Ein Kollektiv, das sich den schönen und sinnfälligen Namen "Home Cinema" gegeben hat, will es vor dem Verkauf bewahren. Es ist der alte Kinokampf: Immobilie versus Kultur. Sie kämpfen dafür, dass die Stadt Paris es erwirbt. Drei hiesige Kinos wollen ihnen an diesem Wochenende ein Forum geben. Das ist eine schöne Geste neugieriger Solidarität. Zwei der Pariser Aktivisten werden per Videoschaltung zu Gast sein. Auch das Programm, das dazu läuft, ist einladend: anarchische Kurzfilme von Luc Moullet, Eleanor Mortimer und Amos Gitai, die allesamt um das Thema Territorium kreisen. Um Geld wird es gewiss auch gehen, denn das Engagement des Kollektivs hat Schulden angehäuft.

Ich bin durch puren Zufall auf diese Initiative gestoßen. Am Freitag (9.10) bildet das "Offkino" im Bielefelder Filmhaus den Auftakt der virtuellen Tournee, danach geht es immer weiter nach Norden. Am Samstag macht das Programm Station im "Kino im Sprengel" in Hannover, am Sonntag ist es im "B-Movie" im Hamburg zu sehen. Bei meiner Internetrecherche durfte ich entdecken, was für wunderbar entlegene Filme diese Kinos auch an anderen Tagen zeigen. Ich bin dem Zufall dankbar, denn nun hat der Schlüssel noch weitere, verheißungsvolle Türen geöffnet.

Link zum Artikel: "Ein norddeutscher Programmhinweis"

Das Netzwerk KINO CLIMATES, dem sich solche nationalen und internationalen Kooperationen unabhängiger Kinos verdanken, hat seit 2019 auch ein unregelmäßig erscheinendes Publikationsorgan. Die ersten beiden filmo-Ausgaben, auf der Kino-eigenen Druckmaschine des Star & Shadow Cinema in Newcastle upon Tyne (GB) hergestellt, sind im Kino im Sprengel für je € 2,50 zu erwerben.

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Einen Kino Climates Podcast hat vor kurzem das Hamburger B-Movie ins Leben gerufen. In der jüngsten Ausgabe kommt das Cinéma La Clef zu Wort:

kinoclimatespodcast.letscast.fm

14. Bundeskongress der Kommunalen Kinos

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KINO HEUTE. CINEMA & BEYOND Hannover, 07.‐09. Dezember 2018

Kino im Sprengel & Kino im Künstlerhaus

Auf den Spuren der aktuellen Debatten um die Zukunft des Kinos widmet sich der diesjährige Bundeskongress der Kommunalen Kinos verschiedenen Ausdrucksformen und der Wahrnehmungsgeschichte der – digitalen wie analogen – Projektion von Film und dem Ereignis Kino. Es wird die Frage nach der Einzigartigkeit des Kinos und seiner Rolle im Heute des 21. Jahrhunderts gestellt. Wissenschaftlich, praxisnah und unter Beachtung wirtschaftlicher Aspekte wollen wir uns durch die Diskursgeschichte des Kinos bewegen und seine Veränderungen sowohl historisch beleuchten als auch zeitgenössisch reflektieren. Wir wollen die historischen und theoretischen Debatten um das Medium Kino aufgreifen und Kinobetreiber*innen zusammenbringen, die seine Rolle hinterfragen und (neu) bestimmen – als Institution zwischen wirtschaftlicher und kultureller Bedeutsamkeit; als Ort zwischen dem Archiv der Erinnerungen – Ereignisse – Materialien und der Produktion phantastischer Welten und Lebensentwürfe; als Akteur zwischen Ästhetik und Politik, als Modell zwischen Unbezahlbarkeit und Kommerz. Und wir wollen das Kino feiern! Von seiner sinnlichen Präsenz für die Zukunft lernen und von seinem unbestrittenen Mehrwert einmal mehr profitieren.

In Vorträgen der Expertinnen und Wissenschaftlerinnen werden die historische Entwicklung des Kinos und seine Diskursgeschichte sowie seine veränderte(n) Rolle(n) im Laufe der vergangenen Dekaden näher beleuchtet. In den Panels vermitteln die Filmvorführerinnen, Archivarinnen, Filmrestauratorinnen, Kuratorinnen und Kinoarbeiterinnen Wissen zu verschiedenen Filmformaten, Projektions‐ und Aufführungspraktiken, digitaler und analoger Filmspeicherung. In fachspezifischen „Open Spaces“ und „World Cafés“ (zum Thema Vorführung und Projektion, Kopien‐ und Rechtedisposition, Kuratieren von Filmprogrammen) tauschen sich die Fachbesucherinnen zu konkreten Arbeitsfeldern in ihrem Alltag aus und gewinnen sowohl neue Kontakte als auch neue Einblicke und Erfahrungen.

In den Kongress begleitenden Podiumsdiskussionen diskutieren Vertreterinnen diverser Sparten der Kinobranche mit Film‐ und Medienwissenschaftlerinnen die Eigenarten, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen „Kinogattungen“ und zeichnen gemeinsam das aktuelle Bild der Kinolandschaft in Deutschland.

Die Fachtagung wird durch ein öffentliches Filmprogramm in den beiden Veranstaltungsorten Kino im Künstlerhaus – Kommunales Kino Hannover und Kino im Sprengel begleitet. Neben Filmen zum Thema, die sich der Filmkunst in ihrer Materialität, dem Filmemachen und dem Kino in seinen unterschiedlichsten Facetten und Bedeutungen widmen, werden Filme aus niedersächsischen Archiven und regionaler Produktion sowie weitere filmische Raritäten und Wiederentdeckungen gezeigt.

Programm zum Bundeskongress der Kommunalen Kinos